Musikstreaming ist scheisse … nur eine Feststellung, oder?
Musikstreaming ist scheisse … nur eine Feststellung, oder?

Musikstreaming ist scheisse … nur eine Feststellung, oder?

Musikstreaming ist scheisse … nur eine Feststellung, oder?

Provokative Aussage und eigenlich für uns KünstlerInnen nichts neues, aber dennoch mal ein Post wert. Viele Musik-Konsumenten sprich insbesondere Musikhörer und Fans wissen nicht viel über die Hinter- und Abgründe die im heutigen Musikbusiness vorherrschen.

Wer weiss z.B. von Euch LesernInnen und MusikhörerInnen da draussen, daß die KünstlerInnen bei Streaming-Diensten wie iTunes, Spotify, Deezer und wie sie alle heissen so gut wie NICHTS an der dort abgespielten Musik verdienen?

Früher, als es noch Vinyl-Schallplatten oder CDs gab, da wurde mit dem jeweiligen Künstler ein Vertrag geschlossen beispielsweise über 3 Schallplatten in einem Zeitraum von 3 oder 5 Jahren. Ein Künstler wurde also langsam „aufgebaut“. Selbst wenn also die erste LP nicht gleich einen „Hit“ generierte war das nicht weiter tragisch. Man hatte ja quasi noch 2 Versuche frei. Heute gibt es das so nicht mehr.

Heutzutage muss es beim ersten Mal sitzen oder man ist weg vom Fenster, sprich die Plattenfirma verlängert den Deal (so man denn überhaupt einen bekommt) über die erste Album-Aufnahme hinaus nicht mehr. Das wäre aber noch nicht das Schlimmste.

Bis in die späten 1990er Jahre war Musik noch etwas „wert“. Wenn man damals eine LP eines Künstlers ergattern konnte so war das bis da noch „etwas besonderes“.

Dann tauchten eines Tages Streaming-Dienste wie Napster auf und lösten damit die erste digitale Musikrevolution aus. Plötzlich war Musik überall verfügbar, eben „digital“ beliebig reproduzierbar und damit kopierbar. Und das, zum damaligen Zeitpunkt auch noch völlig „kostenlos“. Künstler verdienten von heute auf morgen an ihrer Musik nichts mehr, da alles auf illegalen Download-Plattformen frei angeboten wurde.

Zwar bieten heute die Streaming-Dienste meist sog. „Premium-Abos“, d.h. man muss für den Content den man abruft entweder ein Monatsabo kaufen oder jeden einzelnen Stream bezahlen den man anhört. Soweit so schlecht.

Heute ist Musik beliebig verfügbar und Streaming hat die LP und die CD so gut wie abgelöst. Rund 65% aller Musikhörer gaben im Jahr 2019 an Musik ausschliesslich nur noch über Streaming zu konsumieren. Lediglich 15% kauften zu diesem Zeitpunkt noch CDs und nur runde 10% gaben an beides zu nutzen.
Verdienten bis in die späten 90er Jahre Musiker immerhin noch über ihre LP und CD-Verkäufe anteilige Tantiemen pro verkauftem Album, so gehen diese Einnahmen heute geradezu gegen Null.


Nun muss der geneigte LeserIn dazu einen äusserst wichtigen Fakt kennen um o.g. Aussage richtig zu verstehen:

KünstlerInnen die ihre Musik bei o.g. Streaming-Diensten einstellen
erhalten dafür (genau lesen jetzt!) exakt 0,001 cent pro gestreamten Klick.

BVMI, Musikbusiness 2020 in Zahlen

Das bedeutet also konkret: selbst wenn 10.000 Menschen einen Song in einem Monat anklicken würden (was für manch unbekannte Künstler schon eine riesige Zahl ist) hat der jeweilige KünstlerIn dann gerade mal 10,-€ eingenommen. Also noch nicht mal „verdient“ denn derjenige muss das ganze ja noch versteuern und seine Krankenversicherung sowie andere Kosten damit verrechnen. Selbst bei 1.000.000 Klicks pro Monat hätte derjenige KünstlerIn dann gerade einmal 1.000.-€ umgesetzt (o.g. Kosten reduzieren den Gewinn dann entsprechend)!

Hier kann jeder halbwegs rechenbegabte Leser ablesen wie es um die Einnahmen bei Künstlern im „Streaming-Business“ bestellt ist. Und das untermauert meine Eingangs getroffene Aussage die ich hier gerne wiederhole: Streaming ist scheisse! Zumindest für uns MusikerInnen…

Zwar sehr praktisch für alle Hörer von Musik, alles mit ein, zwei Mausklicks immer und überall verfügbar oder sogar per Alexa mündlich abrufbar („Alexa spiele Ed Sheeran „I see fire…“), was die dann auch brav als Stream abruft. Und eigentlich wäre Streaming auch eine tolle Möglichkeit, auch für unbekannte Künstler bekannter zu werden.

Was den Umsatz bzw. die Einnahmesituation von uns KünstlernInnen angeht jedoch ist und bleibt Streaming einfach „scheiße“, eben weil wir (fast) nichts dran verdienen. Zumindest solange bis eine gerechtere Lizensierung und Entlohnung ausgehandelt werden kann.

Und das kann, so wie es neueste Verhandlungen der GEMA und anderer Verwertungsgesellschaften zeigen, noch ziemlich lange dauern. Firmen wie Spotify wehren sich massiv gegen eine Erhöhung oder gerechtere Verteilung der Einnahmen.

Daher mein Appell an alle: kauft mehr Vinyl oder CDs, am besten direkt bei und von den KünstlerInnen, denn so bleibt wenigstens abzüglicher der Herstellungskosten noch etwas für uns übrig.


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